Menschlichkeit und Miteinander

Rede von Pfarrerin Thekla Knuth zur „Demonstration für Menschlichkeit und Miteinander“ am 11. Juni 2016 in Strausberg

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

liebe MITMENSCHEN,

es war im letzten Sommer. Stellen Sie sich vor:

unsere kleine Gemeinde feiert an einem schönen Sommersonntag einen Gottesdienst in der Petruskirche in Petershagen – alles ganz normal. Die Orgel, die Texte, die Stimmung.

Normal und doch nicht alltäglich: denn in den hinteren Reihen unserer Kirche sitzen ganz schüchtern acht Menschen aus Eritrea. Fünf Männer, drei Frauen. Sie waren ein paar Monate vorher geflohen. Geflohen vor jahrelangem Militärdienst, vor einer der härtesten Diktaturen der Welt.

Diese acht Menschen waren uns willkommen, natürlich! – wie jeder Mensch in unseren Kirchen willkommen ist.

Am Ausgang, nach dem Gottesdienst, schaut mich einer der Männer flehend an, legt die Hände bittend ineinander und erzählt mir in kurzen englischen Sätzen, dass seine Familie in DIESER Nacht mit dem Schiff übers Mittelmeer nach Deutschland kommen würde. Und ich solle bitte für seine Familie beten. Seine Augen schauten voller Sorge.

In dieser Situation verflog alle Distanz, die ich oft zwischen der Welt und mir spüre, wenn ich das Radio anschalte und die Nachrichten höre.

Hier wurde Weltpolitik plötzlich greifbar. Hier wurde plastisch, was sonst nur in Zahlen mein Gehirn erreichte: heute Nacht würde eine Mutter mit IHREN und mit SEINEN drei KINDERN in eines dieser hoffnungslos überladenen Schlepperboote steigen und vier Leben riskieren.

 

Sie haben es geschafft. Sie sind angekommen. Sie alle leben.

Seit diesem Erlebnis gibt es diesen unsichtbaren, aber gefühlten Wall zwischen der Welt, die ich in den Nachrichten sehe, und meiner Alltagswelt für mich immer seltener. Es war das Mitgefühl für diesen Vater, das ihn in mir gesprengt hat. Und mir ist klar geworden:

Dieser Wall zwischen mir und der Weltpolitik, zwischen meiner Alltagsroutine und den entsetzlichen Fernsehbildern von toten Geflüchteten im Mittelmeer mag mich schützen vor all den Bildern, die mein Mitgefühl überfordern. Er ist aber auch gefährlich: denn dieser Wall macht stumpf.

Er verstärkt meine Passivität und meine Resignation: „ich kann ja doch nichts tun.“

WAS FÜR EIN IRRTUM!

Sicher:

Unsere Welt - und mit ihr unser Leben – ist so widersprüchlich geworden:

Wir empfangen Nachrichten in Windeseile – und doch bleiben wir innerlich stehen.

Wir reisen in die entferntesten Ecken der Welt und nehmen unseren begrenzten Horizont doch oft mit.

Wir sprechen sehr viel und sagen oft wenig.

Wir wissen noch mehr und fühlen mitunter wenig.

Es geht uns gut in Deutschland. Und doch wohnt hier die Angst.

Aber eins wissen wir doch ganz genau (und wenn wir es nicht wissen, dann spüren wir es): Angst ist selten ein guter Ratgeber gewesen.

Denn woher kommt die Angst? Sie kommt aus der Nichtliebe. Und wer sich nicht geliebt fühlt, gibt Nichtliebe weiter.

Nichtliebe äußert sich in dem alten Geist der geistigen Brandstifter derer, die Angst schüren. Sie äußert sich in den fremdenfeindlichen Parolen. Nichtliebe äußert sich in der Furcht, selber zu kurz zu kommen.

Die Tradition der Mitmenschlichkeit und der Solidarität ist aber länger und bewährter!

Und deswegen sind wir alle heute hier: um uns in diese Tradition einzureihen, um unser Gesicht zu zeigen, erkennbar zu werden für unseren Standpunkt. Und für unsere Haltung, die uns aufrecht stehen und gehen lässt. Denn Mitmenschlichkeit IST eine Haltung. Eine  Haltung, die Rückgrat zeigt.

Mitmenschlichkeit ist keine Schönrednerei, Mitmenschlichkeit ist keine Naivität, Mitmenschlichkeit ist das NORMALE! Schön, dass Sie das tun, Ihr Gesicht im Namen der Mitmenschlichkeit hier auf der Kundgebung zu zeigen! Schön, dass Sie hier sind!

Denn es geht bei der Mitmenschlichkeit um nichts Außergewöhnliches! Es geht hier um das NORMALE.

Denn in JEDER Religion - in JEDER, die an einen Gott oder an mehrere Götter glaubt, die monotheistischen wie die Naturreligionen, dazu in JEDER Gesellschaft, die jemals ohne Religion auskam - gibt es EINE elementare Grundregel des Miteinander:

Es ist die sogenannte Goldene Regel. Jedes Kind lernt sie: „Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu.“

So einfach, so logisch und doch so schnell vergessen.

Lassen Sie uns diese Regel zum Credo, zu unserem Glaubensbekenntnis, werden:

Denn sie trägt die BALANCE für das Miteinander in sich. In ihr kommt der andere vor - genau wie ich. Das ist unser Alltag: wir leben mit dem anderen. Und Frieden ist unser Ziel.

In der Sprache der Bibel heißt dieser Satz, den Jesus Christus gesagt hat:

„Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“

Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.

Dieser Satz, diese christliche Regel reißt uns aus der resignativen und ratlosen Untätigkeit heraus.

Dieser Satz reißt das Missverhältnis zwischen allgemeinem Informiertsein und persönlicher Passivität ein.

Dieser Satz sagt uns, wie der Weg geht:

Vom Fühlen zum Denken und vom Denken zum Handeln. 

So trocken das klingt, so lebendig ist dieser Weg doch! Denn eines Tages werden wir an der Lebensführung unserer Kinder und Enkelkinder erkennen, was wir ihnen vorgelebt und was sie von uns gelernt haben.

Woran werden sie sich erinnern? Zuerst an das Gefühl, in dem sie aufgewachsen sind. Darum seien wir achtsam mit den Unsrigen, welches Gefühl wir ihnen vermitteln. Wachsen sie in Liebe und Achtung der anderen auf, dann geben sie Liebe und Achtung  weiter.

Das Gleiche gilt für die Menschen, die in unser Land kommen. Was leben wir ihnen vor? Was lernen sie von unserem Miteinander? Wie werden sie mit uns umgehen?

Halten wir uns nicht mit der Frage auf, wer unser Nächster ist. Sondern arbeiten wir daran, selbst zum Nächsten zu werden.

„Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ heißt auch:

Du musst den anderen nicht mehr lieben als dich. Du musst nicht für andere deinen Platz räumen. Du darfst auch nein sagen, wenn es der LIEBE zu dir selbst entspricht.
Das ist die Kunst: die Unterscheidung zu lernen zwischen Selbstliebe und Egoismus.

Unser Land ist schön – unser Leben ist schön. Es ist an der Zeit, auch die Schönheit unserer Herzen zu zeigen. Zu zeigen: Ich als junge Frau, ich als junger Mann, ich als ältere Dame, ich als älterer Herr – ich zeige mein Gesicht und mein gutes Herz. Für meine Nachbarin, deren Kind vor kurzem starb und die sprachlos vor Kummer ist. Für meinen Kollegen, der im Hamsterrad des Erfolgsdrucks seine Lebensenergie verbrennt. Für die Menschen, die mir auf der Straße begegnen und mürrisch schauen. Für die Fremdlinge, die mir am Strand begegnen und ich unsicher bin, wie ich ihnen begegnen soll.

Darum lasst uns heute und an jedem Tag ein Zeichen setzen:

Wir als Brandenburgerinnen und Brandenburger und als Strausbergerinnen und Strausberger und als Petershagener und Eggersdorfer, woher wir auch kommen – wir haben es in der Hand, unser Leben einmalig kostbar zu machen, es mit wunderbarem Geist zu durchdringen.

Daher im Namen unserer Demokratie:

Lasst uns diese Macht nutzen! Lasst uns miteinander festhalten an der Idee einer Welt, in der jeder Mensch seinen Platz findet, in der jedes Kind LIEBE erfahren darf und in der Menschen beschützt werden, die das im Moment selbst nicht können.

Unsere Welt ist so zerrissen. Lassen wir uns nicht zerreißen. Halten wir Herz und Hirn zusammen, öffnen wir unsere Hände, um sie anderen zu reichen und zeigen wir unser Gesicht, wofür wir stehen:

Für die Liebe.

Für die Mitmenschlichkeit und Verantwortung.

Für die Zivilcourage.

Für die gegenseitige Achtung.

Für das Menschsein.

Pfarrerin Thekla Knuth


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  • 03. März 201911.00 Uhr

    Gottesdienst zu Weltgebetstag

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  • 05. März 201909.30 Uhr

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  • 05. März 201910.30 Uhr

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